Einstufungstest

So übst du Melodiediktate effektiv: Ein Leitfaden für Einsteiger und Fortgeschrittene

musiktheorie

 Melodiediktate sind eine herausfordernde, aber auch äußerst lohnende Übung für Musikerinnen und Musiker, die besser in Gehörbildung werden möchten. Außerdem sind Melodiediktate ein wichtiger Bestandteil aller Aufnahmeprüfungen. In diesem Blogbeitrag lernst du, wie du Melodiediktate Schritt für Schritt üben kannst und was du dabei beachten solltest, um deine Fähigkeiten optimal zu steigern.

Zuerst beschreiben wir die wichtigsten Schritte bei Melodiediktaten. Anschließend lernst du effektive Übungsstrategien, Tipps für die Aufnahmeprüfung und hilfreiche Zusatzübungen. Anschließend geben wir dir Tipps für die besonders schweren Diktate mit freitonalen und vierstimmigen Diktaten. Ganz unten findest du eine kleine Sammlung an Übungen.

Die wichtigsten Schritte bei Melodiediktaten

  1. Melodie anhören und nachsingen: Höre dir die Melodie zuerst ein oder mehrere Male aufmerksam an. Versuche, sie nachzusingen. Durch das Nachsingen prägt sich die Melodie besser in dein Gedächtnis ein.
  2. Notiere die Melodie aus dem Gedächtnis: Schreibe nun die Melodie so gut wie möglich aus dem Gedächtnis auf. Konzentriere dich dabei zunächst nur auf die Tonhöhen.
  3. Den Rhythmus erfassen: Nachdem du die Töne notiert hast, fokussiere dich auf den Rhythmus und ergänze diesen in deiner Notation.

Falls du Probleme mit dem Notieren von Rhythmen hast, lies den Artikel zu Rhythmusdiktaten

Ein zentraler Tipp: Denke nicht nur von einem Intervall zum nächsten. Achte auf die gesamte Struktur der Melodie. Frage dich:

  • Ist der Startton auch der Schlusston?
  • Beginnt oder endet die Melodie auf dem Grundton?
  • Hörst du in der Melodie Elemente wie Tonleitern oder gebrochene Akkorde?

Effektive Übungsstrategien für Melodiediktate

Beim Üben von Melodiediktaten ist es hilfreich, systematisch vorzugehen:

  • Tonart bestimmen: Anhand der Vorzeichen und des Starttons kannst du die Tonart der Melodie ermitteln. Spiele den Grundton auf deinem Instrument oder einer Piano-App und singe die entsprechende Tonleiter ein paar Mal auf und ab. Falls du mit der Solmisation (Do – Re – Mi – Fa – So – La – Si – Do) vertraut bist, nutze sie! Alternativ kannst du die Töne auch mit Ziffern (1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8) oder Notennamen singen.
  • Melodie analysieren: Achte darauf, ob die Melodie Tonschritte oder größere Sprünge enthält. Versuche, beim ersten Hören bereits so viel wie möglich nachzusingen. Wiederhole den Vorgang, bis du die Melodie vollständig nachvollziehen kannst.
  • Praktische Tipps zur Notation: Setze nur kleine Punkte statt große Notenköpfe, um Zeit zu sparen. Das hilft, schneller und effizienter zu arbeiten. Sei trotzdem präzise, um klar zu erkennen, ob die Noten auf oder zwischen den Linien stehen.

Übung macht den Meister

Gib dir ausreichend Zeit, um diese Fähigkeiten zu entwickeln. Es ist völlig normal, zu Beginn viele Wiederholungen zu benötigen. Mit der Zeit wirst du aber merken, dass du die Melodien nach nur ein oder zwei Durchgängen erfassen kannst. Besonders (Chor-)Sänger, die viel nachsingen, haben oft einen Vorteil bei der Gehörbildung. Wer regelmäßig Melodien nachsingt oder Melodien auf dem Instrument nachspielt, wird darin immer besser.

Im Kurs von HfM Vorbereitung arbeiten wir mit vielen Melodiediktaten, die anfangs leicht sind und sich im Schwierigkeitsgrad steigern. Du kannst jede Übung so oft wiederholen, bis du bereit für den nächsten Schritt bist. Am Ende wirst du sogar komplexe Melodien, wie 12-Ton-Reihen oder zweistimmige Diktate, bewältigen können. Außerdem gibt es Melodieparcours: Mitmach-Videos fürs Melodie-Training.

Tipps für die Aufnahmeprüfung

In einer Aufnahmeprüfung ist die Zahl der Wiederholungen unterschiedlich, je nach Hochschule. Manchmal wird die Melodie zweimal komplett und mehrere Male in Teilen vorgespielt, während du bei anderen Prüfungen die Melodie fünf bis neunmal komplett hören kannst.

Tipp für die Prüfung: Pfeife die Melodie lautlos nach, wenn du sie nicht laut singen darfst. Wichtig ist, dass du auch in einer Stresssituation ruhig bleibst. Das gelingt dir, wenn du die Techniken regelmäßig übst und dich Schritt für Schritt an das Prüfungsniveau herantastest.

Hilfreiche Zusatzübungen

Um dein Gehör weiter zu trainieren, kannst du zusätzlich folgende Übungen machen:

  • Freies Nachsingen von Tönen: Spiele beliebige Töne auf dem Klavier und singe sie nach.
  • Zwei Töne gleichzeitig spielen: Spiele zwei Töne gleichzeitig und versuche, einen der beiden Töne nachzusingen. Anschließend singst du den anderen Ton.
  • Akkorde analysieren: Spiele verschiedene Akkorde und versuche, den Grundton, den Basston oder den mittleren Ton zu singen.

Mit diesen Übungen stärkst du deine Fähigkeiten, Töne präzise zu erkennen und nachzusingen.

Fortgeschritten: Freitonale und 12-Ton-Reihen üben

Für Fortgeschrittene bietet sich das Üben von freitonalen Diktaten und 12-Ton-Reihen an. Dabei gehst du folgendermaßen vor:
 

  • Notiere dir eine 12-Ton-Reihe: Spiele sie Ton für Ton auf deinem Instrument und singe jeden Ton nach.
  • Intervallweise vorgehen: Übe zunächst die ersten beiden Töne. Wiederhole sie mehrmals, bevor du den dritten Ton hinzunimmst. Auf diese Weise arbeitest du dich durch die gesamte Reihe.
  • Konsonanzen und Dissonanzen erkennen: Achte darauf, welche Intervalle konsonant und welche dissonant klingen.

Der Kurs von HfM Vorbereitung enthält übrigens viele 12-Ton-Reihen und zweistimmige Diktate, sowie zahlreiche originale Aufgaben aus Aufnahmeprüfungen.

Fortgeschritten: Vierstimmiges Diktat

In manchen Aufnahmeprüfungen soll man einen vierstimmigen Satz notieren. Meistens sollen Sopran und Bass aufgeschrieben werden. Die Innenstimmen werden nicht exakt notiert. Stattdessen sollst du dann Akkordsymbole, Funktionen oder Generalbassziffern dazu schreiben. 

Hier ein paar Tipps:

  • Bei vierstimmigen Diktaten immer die Außenstimmen notieren: Zuerst Sopran, dann Bass (oder umgekehrt).
  • Erst anschließend hören, was für Akkorde es sind.
  • Vierstimmige Diktate sind in der Regel recht simpel gehalten (es gibt keine allzu komplizierten Akkorde, eher keine Modulationen).
  • Die vierstimmigen Diktate sind oft Kadenzen oder erweiterte Kadenzen. Das sind typische Akkordfolgen, die du in unserem Kurs oft hörst und bald im Ohr hast.
  • Du kannst auch auf das Tongeschlecht achten: In einer Dur-Tonart gibt es nur drei Dur-Akkorde (Hauptfunktionen) und drei Moll-Akkorde (Nebenfunktionen). Wenn es also keine Modulation gibt, ist die Auswahl begrenzt.
  • Überlege dir, welche Akkorde du notieren würdest, wenn es eine Tonsatz-Aufgabe wäre: 
    • Am Anfang und Ende ist vielleicht der Grundton im Bass? Da würde jeweils eine Tonika passen.
    • Vor eine Tonika passt eine Dominante.
  • Versuche, die Lösung am Klavier zu spielen und Sopran oder auch mal den Bass (ggf. in einer höheren Oktavlage) mitzusingen. Das kannst du auch mit den Aufgaben der Prep Sheets machen, in denen man selbst einen vierstimmigen Satz schreiben soll. Außerdem kannst du Kadenzen in allen Tonarten spielen und mitsingen (Erstmal nur Hauptfunktionen, später auch mal mit einer Tp usw.).

Abschließende Tipps

Übe regelmäßig mit den Melodieparcours im Kurs, um typische melodische Wendungen und Pattern zu trainieren. So entwickelst du ein besseres Gefühl für Melodiestrukturen und wiederkehrende Bausteine wie Tonleitern und gebrochene Akkorde.

Je mehr Melodien du analysierst und nachsingst, desto schneller wirst du Fortschritte machen und beim ersten Hören bereits wesentliche Elemente erkennen. Das wird dir nicht nur in der Aufnahmeprüfung, sondern auch in deiner musikalischen Entwicklung enorm weiterhelfen.

 

Hier findest du Diktate zum Üben

Einstimmige Melodiediktate

Jedes Prep Sheet im Kurs Studienvorbereitung Musiktheorie und Gehörbildung enthält mehrere Melodiediktate. Die allerersten sind sehr leicht und steigern sich im Laufe des Kurses. Die Melodiediktate passen auch immer zum Thema des Lernvideos: In Step 10 lernst du zum Beispiel alles über Terzen. Hier sind in den Diktaten viele Terzen eingebaut. Quarten oder größere Intervalle findest du hier noch nicht, denn die kommen erst später im Kurs. In Stepp 11 geht es dann um Dreiklänge. Also sind in den Melodiediktaten auch einige Dreiklänge untergebracht.

 

Zweistimmige Melodiediktate

Ab Step 33 findest du in den Prep Sheets auch Zweistimmige Diktate. 

 

Atonale Melodiediktate

Ab Step 50 findest du in den Prep Sheets auch atonale Melodiediktate. Außerdem enthalten die Modell-Klausuren diese Form von Diktat, wenn das für die entsprechende Aufnahmeprüfung gefordert wird.

 

Vierstimmige Melodiediktate

Mit vierstimmigen Sätzen beschäftigen wir uns natürlich auch. Erste Übungen gibt es ab Step 34. Unsere Modell-Klausuren von Regensburg, München und anderen Hochschulen enthalten ebenfalls solche Aufgaben.